Assoziations-Lyrik

 

 

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Stichwort: Herbst

Autorin: Antje Wilke
Homepage: www.inSZi.de
Email: sachsenzicke@gmx.net

 

 

 

Herbst

Das alte, goldgelockte Weib
verweilt noch kurz
im Klappstuhl des Sommers,
wirft ihren Nebelschleier auf den Wiesen ab
 und stickt sich Tauperlen
ins Spinnenhaarnetz.

  Sie ist damit so schön,
daß sie der Wind
im Abgesang der Grillen zum Tanze führt.

  Auf lange Nächte
ist sie nicht mehr heiß;
ihr Kleid,
es blättert,
fällt vom Leib in bunten Fetzen,
legt sich raschelnd ihr zu Füßen.
… macht damit
ihr Sterbebett.

  Trist und grau gewandet,
trägt der Vetter sie auf feuchten Händen
im Sturmschritt
zu Grabe;
er heult ihr lange nach.

  Sich frisch davonzumachen,
leiht er sich nachts manchmal
des kaltschnäuzigen Bruders zarten Glitzermantel.

  Doch früher oder später
hält er die Kälte draußen nicht alleine aus –
und schmuggelt sie
allmählich
in die Häuser.

 

11./12.09.2002

© Antje Wilke

 

 

                             Assoziations-Lyrik - ein Schreibprojekt aus Dietrichs Dunkelkammer