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Das Veranstaltungs-Motto einer "Lyrischen Leserei"
war sicherlich mit Bedacht gewählt worden, denn der Zuhörer sollte sich
auf einen Vortrag wohlformulierter Gedanken und lyrischer Texte freuen
können - jedoch vorbehaltlich einer gewissen Spielerei oder auch
Experimentierfreudigkeit. Denn im Gegensatz zu Autoren-Lesungen, deren
Vorlagen hinterher erworben werden können, trugen die drei Poeten ihre
Lyrik "just for fun", also um der reinen Kunst willen vor, wobei
ein Gedicht das Stichwort fürs nächste gab. Das Schlüsselwort dazu
heißt "Assoziationslyrik". Dieter Pietsch hat diesen Begriff
geprägt, indem er seine eigenen Gedichte ins Internet stellte, gewisse
Kriterien eines Herausgebers in seiner Homepage dazu und damit zum
Mitmachen einlud.
Marianne Rieter, Sekretärin aus Zürich, und Monika
Wegscheider, Bergbäuerin aus Kärnten, präsentierten abwechseln ihre
miteinander vernetzten Gedichte, so, wie sie beispielsweise auch vom
Internet-Surfer rezipiert werden können
Menschliche Gefühle
Zu dritt hatten sie am Lesepult Platz genommen, und ihre Vorträge
umkreisten das große Thema der menschlichen Gefühle, dargestellt in
vielfältigen Metaphern und bunten Bildern, zumeist aus dem
Naturkreislauf. Gemeinsam ist ihnen die reimlose, lediglich in Gedanken
unterteilte Textdarstellung, und natürlich der Spaß, aus ihrem
virtuellen, durch die Vernetzungen wie ein Gesamtband sich darstellendes
Oeuvre zu lesen.
Dietrich Pietsch, studierte Germanistik und bereits mit den
verschiedenen literarischen Formen vertraut, hat sich seit 1995 der Poesie
verschrieben. Er findet seine Formulierungen, indem er artfremde Begriffe
oder Bilder miteinander kombiniert. Er hat für sich das Internet als
literarische Plattform entdeckt und genießt es, zwischen
zukunftsweisender und herkömmlicher Art der Literatur-Rezeption hin und
her zu jonglieren.
Marianne Rieter kann auf ein vielseitig engagiertes Leben
zurückblicken, und ihre Erfahrungen scheinen sich in einer großen
Gedanken- und Wortvielfalt wider zu spiegeln. "Ich liebe die Sprache,
und ich schreibe für mich", erklärt die Schweizerin. Es macht ihr
großen Spaß, nach den richtigen Worten zu suchen, doch auf die Idee
einer solchen Lesung wäre sie von alleine nicht gekommen.
Monika Wegscheider wiederum hat mit Gedichten für den
Hausgebrauch angefangen, auch in Kärntner Mundart. "Meine Gedichte
kommen von innen heraus", erklärt die Bergbäuerin. "Es sind
alles Gedanken, die mich bewegen, und die werden dann verdichtet."
Aus ihren Gedichten klingt große Erd- und Naturverbundenheit, oftmals in
deutlicher Sprache.
Bilder im Web
Im Internet hat sie Bilder des Akt- und Werbe-Fotografen Björn Oldsen
gesehen, der nun Illustrationen für ihre Gedichte anfertigt. Eine Auswahl
ist ab sofort im Kultur-Café zu sehen.
Modell steht Ehefrau Karin, und Oldsen sieht die eigentliche Kunst im
Erfinden und Vorbereiten der Szenen: "Wir sind ein eingespieltes
Team, und veröffentlicht wird nur, was auch mir gefällt", erklärt
die Gattin. Die Harmonie und Ausstrahlung der Bilder scheint es zu
bestätigen.
Ein Nachmittag der Künste also im Kultur-Café, fürs aufgeschlossene
Publikum eine Augen- und Ohrenweide, welche ihren Ursprung im virtuellen
Raum hat und nun in der Illertisser Wirklichkeit erfolgreich Premiere
feiern konnte. Dabei sind die Autoren auf Publikationen herkömmlicher Art
nicht angewiesen, im Internet gewissermaßen unabhängig von der
öffentlichen Gunst oder Meinung und somit autark. Sie produzieren Kunst
um der reinen Kunst willen.
Info
Im Internet können Sie auch auf den Homepages der Künstler surfen: junge-web-autoren.de;
tangonuevo.ch; monikas-gedichte.at
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