Dietrich


Lyrische Leserei 

im Kultur-Café Illertissen, am 1. Februar 2004


 

Illertisser Zeitung vom 5. Februar 2004 (gekürzt)

Vom Internet ins Kultur-Café von Illertissen
Dietrich Pietsch, Marianne Rieter und Monika Wegscheider lernen sich via PC kennen

 

 

 

Das Kultur-Café in der Apothekerstraße hatte seine Platzkapazitäten ausgeschöpft, als der Illertisser Internet-Poet Dieter Pietsch zusammen mit Marianne Rieter aus der Schweiz und Monika Wegscheider aus Österreich eine "Lyrische Leserei" veranstaltete. Thematisch dazu passend eröffnete Björn Oldsen seine Fotoausstellung und das Weißenhorner Duo Felix Kohl (Klarinette) und Alexander Pietsch (Gitarre) sorgte für flotte Melodien.

 

Das Veranstaltungs-Motto einer "Lyrischen Leserei" war sicherlich mit Bedacht gewählt worden, denn der Zuhörer sollte sich auf einen Vortrag wohlformulierter Gedanken und lyrischer Texte freuen können - jedoch vorbehaltlich einer gewissen Spielerei oder auch Experimentierfreudigkeit. Denn im Gegensatz zu Autoren-Lesungen, deren Vorlagen hinterher erworben werden können, trugen die drei Poeten ihre Lyrik "just for fun", also um der reinen Kunst willen vor, wobei ein Gedicht das Stichwort fürs nächste gab. Das Schlüsselwort dazu heißt "Assoziationslyrik". Dieter Pietsch hat diesen Begriff geprägt, indem er seine eigenen Gedichte ins Internet stellte, gewisse Kriterien eines Herausgebers in seiner Homepage dazu und damit zum Mitmachen einlud. 
Marianne Rieter, Sekretärin aus Zürich, und Monika Wegscheider, Bergbäuerin aus Kärnten, präsentierten abwechseln ihre miteinander vernetzten Gedichte, so, wie sie beispielsweise auch vom Internet-Surfer rezipiert werden können

Menschliche Gefühle

Zu dritt hatten sie am Lesepult Platz genommen, und ihre Vorträge umkreisten das große Thema der menschlichen Gefühle, dargestellt in vielfältigen Metaphern und bunten Bildern, zumeist aus dem Naturkreislauf. Gemeinsam ist ihnen die reimlose, lediglich in Gedanken unterteilte Textdarstellung, und natürlich der Spaß, aus ihrem virtuellen, durch die Vernetzungen wie ein Gesamtband sich darstellendes Oeuvre zu lesen.

Dietrich Pietsch, studierte Germanistik und bereits mit den verschiedenen literarischen Formen vertraut, hat sich seit 1995 der Poesie verschrieben. Er findet seine Formulierungen, indem er artfremde Begriffe oder Bilder miteinander kombiniert. Er hat für sich das Internet als literarische Plattform entdeckt und genießt es, zwischen zukunftsweisender und herkömmlicher Art der Literatur-Rezeption hin und her zu jonglieren.

Marianne Rieter kann auf ein vielseitig engagiertes Leben zurückblicken, und ihre Erfahrungen scheinen sich in einer großen Gedanken- und Wortvielfalt wider zu spiegeln. "Ich liebe die Sprache, und ich schreibe für mich", erklärt die Schweizerin. Es macht ihr großen Spaß, nach den richtigen Worten zu suchen, doch auf die Idee einer solchen Lesung wäre sie von alleine nicht gekommen.

Monika Wegscheider wiederum hat mit Gedichten für den Hausgebrauch angefangen, auch in Kärntner Mundart. "Meine Gedichte kommen von innen heraus", erklärt die Bergbäuerin. "Es sind alles Gedanken, die mich bewegen, und die werden dann verdichtet." Aus ihren Gedichten klingt große Erd- und Naturverbundenheit, oftmals in deutlicher Sprache.

Bilder im Web

Im Internet hat sie Bilder des Akt- und Werbe-Fotografen Björn Oldsen gesehen, der nun Illustrationen für ihre Gedichte anfertigt. Eine Auswahl ist ab sofort im Kultur-Café zu sehen.
Modell steht Ehefrau Karin, und Oldsen sieht die eigentliche Kunst im Erfinden und Vorbereiten der Szenen: "Wir sind ein eingespieltes Team, und veröffentlicht wird nur, was auch mir gefällt", erklärt die Gattin. Die Harmonie und Ausstrahlung der Bilder scheint es zu bestätigen.

Ein Nachmittag der Künste also im Kultur-Café, fürs aufgeschlossene Publikum eine Augen- und Ohrenweide, welche ihren Ursprung im virtuellen Raum hat und nun in der Illertisser Wirklichkeit erfolgreich Premiere feiern konnte. Dabei sind die Autoren auf Publikationen herkömmlicher Art nicht angewiesen, im Internet gewissermaßen unabhängig von der öffentlichen Gunst oder Meinung und somit autark. Sie produzieren Kunst um der reinen Kunst willen.

Info

Im Internet können Sie auch auf den Homepages der Künstler surfen: junge-web-autoren.de; tangonuevo.ch; monikas-gedichte.at

 

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