Dietrich Pietsch
Nicht
mehr
als
ein Murmeln des Windes
hinter
hohen Mauern.
Bäume und Steine:
Schatten mit blättrigen Stimmen
und
verlorene Stimmen.
Verschlungen
in letzter Umarmung:
Wind und Stille
Stimme
und Stein.
![]()
Erste Flamme
Am Spülsaum
der Zeit
Träume
wie Treibholz
gerundet
vom Geröll der Jahre
verströmen
im Feuer
der Erinnerung
noch einmal
den harzigen Duft
der Melancholie
![]()
So oft warst du hier
an diesem Strand
und
hier bleibst du
in
diesem Tosen
das
nur ist
was
wir waren
ein
Wogenschlag
im
Meer
des Augenblicks
Was
vergeht
verbleibt
in dem
was
ich besitze
die
Wellen
der
Wind
alles
hält
wenn
ich es sehe
![]()
Abschied am Horizont
Dem Himmel geht die Farbe aus
wenn die Sonne fällt und versinkt
mit den flügelweiten Wünschen
dort wo der Weg über den Hügel führt
und du verschwindest
fällst und versinkst
wie der Blick
in einen unbegriffenen Traum
![]()
Nächtliches Erinnern
Vor der Fensterscheibe
hängt die Novembernacht
feucht
in den Ästen
der kahlen Kastanien.
Für einen Augenblick
erscheinst du
zwischen den Bäumen -
eine
vage Bewegung
am Grunde des Nebelmeers.
Mit müden Wimpern winke ich dir zu
und für immer schlafen
Skelette
von tausend Faltern
umschlossen von mir.
![]()
![]()
Da ist ein Rest
Nacht im Garten,
der sich im
Morgengrauen auflöst.
Da ist ein Rest
Traum im Zimmer,
der mit dem Tag
verfliegt.
Da ist ein Rest
Gestern in jedem Geräusch,
der ein Fest der
Sinne war.
Da ist ein Rest von
dir überall,
der nie ganz
anwesend sein konnte.
![]()
Erloschen
Schon liegt der
Abend im Sterben,
erschöpft
verlöschend.
Im Westen die
Wolken
in Resten der
Glut.
Nachleuchten des
Tags.
Nachleuchten
eines Gesichts,
verschwommen
im Rot aus
Wolkenfetzen.
Warte auf mich.
Bald kommt die
Nacht
mit knöchernen
Taubentritten
leise
und unabwendbar.
![]()
Blau fiel der
Schnee
Für uns in all
den Jahren.
Nun flimmert er
Im stummen
Lächeln
Des Vergehens.
Wie Kupfer
klingt
Der Ahornbaum,
Wenn sich des
Nachts
Die kahlen Äste
streifen.
Und um das
unbelebte Haus
Heult wie ein
wundes Tier
Der böig kalte
Wind.
Schon reißt er
Blatt für Blatt
Dem namenlosen
Abgrund zu,
Wo sich im
endlos freien Fallen
Verlorensein und
Ewigsein vereinen –
Zu deinem Weg
und meinem.
![]()
Die Traurigkeit
fällt
Aus den
Schwingen der Nacht
Wie von einer
Krähe in ihrem Flug
Eine Feder
herabschwebt
Nimm meine
dunklen Gedanken
Und schreib mit
der Feder
ein Gedicht auf meine
Haut
Ein einfaches
Lied
Das die Stille
beschwichtigt
![]()
Letzter Tanz
Ein lauer Sommerwind weht
durch der Bäume nächtlich Blättermeer,
das tausendfach anstimmt ein Flüstern –
doch sie, die diesen Stimmen noch so nah,
hört nicht sein Locken für die andre Welt.
Mit offnen Augen schwankt sie durch die Zeit
und lässt den Wind gewähren,
der zärtlich spielt mit ihrem Kleid.
Sie spürt den sanften Hauch nicht mehr,
der eine schwarze Strähne legt auf ihre Brust,
sie nicht erreicht in ihrem Träume Blütenmeer.
Durch eine Lücke tastend im Geäst
leckt fahles Mondlicht ihr Gesicht,
schwankt trunken von der Schönheit hin und
her,
lässt sie im Kreise drehn im Dämmerlicht.
Sie sieht den späten Schein nicht mehr,
der liebevoll den Hals berührt,
um den die Schlinge fest gebunden,
damit ihr Liebster sie entführt.
![]()