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Dietrich Pietsch

Dunkelkammer

 

 

 

 

 

 

Nicht mehr

 

als ein Murmeln des Windes

hinter hohen Mauern.


Bäume und Steine:
Schatten mit blättrigen Stimmen

und verlorene Stimmen.

Verschlungen
in letzter Umarmung:
Wind und Stille

Stimme und Stein.

 

 

 

 

 

 

 

 


Erste Flamme

 

Am Spülsaum
der Zeit
Träume

wie Treibholz
gerundet
vom Geröll der Jahre
verströmen
im Feuer
der Erinnerung

noch einmal
den harzigen Duft
der Melancholie

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Adriane

 

So oft warst du hier
an diesem Strand

und hier bleibst du

in diesem Tosen

das nur ist

was wir waren

ein Wogenschlag

im Meer

des Augenblicks

 

Was vergeht

verbleibt in dem

was ich besitze

die Wellen

der Wind

alles hält

wenn ich es sehe


 

 

 

 

 

 

 

 


Abschied am Horizont

Dem Himmel geht die Farbe aus
wenn die Sonne fällt und versinkt
mit den flügelweiten Wünschen
dort wo der Weg über den Hügel führt
und du verschwindest
fällst und versinkst
wie der Blick
in einen unbegriffenen Traum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Nächtliches Erinnern

 

Vor der Fensterscheibe
hängt die Novembernacht
feucht in den Ästen
der kahlen Kastanien.

 

Für einen Augenblick
erscheinst du
zwischen den Bäumen -
eine vage Bewegung
am Grunde des Nebelmeers.

 

Mit müden Wimpern winke ich dir zu
und für immer schlafen
Skelette von tausend Faltern
umschlossen von mir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Am Bahnhof

Eine Zigarette noch -
und dein Gesicht als
Schatteninsel an der Wand.

Zug um Zug denk ich zurück
und höre Wort für Wort -
obwohl wir schweigen.

Mein Rauchgesicht im Glas der Tür.
Kein Abschiedsgruß -
kein Winken.

Zurück bleib ich,
suchend -
auf der Schatteninsel
Verlorenes mit dir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Restwelt

 

Da ist ein Rest Nacht im Garten,

der sich im Morgengrauen auflöst.

 

Da ist ein Rest Traum im Zimmer,

der mit dem Tag verfliegt.

 

Da ist ein Rest Gestern in jedem Geräusch,

der ein Fest der Sinne war.

 

Da ist ein Rest von dir überall,

der nie ganz anwesend sein konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Erloschen

 

Schon liegt der Abend im Sterben,

erschöpft verlöschend.

Im Westen die Wolken

in Resten der Glut.

Nachleuchten des Tags.

 

Nachleuchten eines Gesichts,

verschwommen

im Rot aus Wolkenfetzen.

 

Warte auf mich.

Bald kommt die Nacht

mit knöchernen Taubentritten

leise

und unabwendbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Verloren

 

Blau fiel der Schnee

Für uns in all den Jahren.

Nun flimmert er

Im stummen Lächeln

Des Vergehens.

Wie Kupfer klingt

Der Ahornbaum,

Wenn sich des Nachts

Die kahlen Äste streifen.

Und um das unbelebte Haus

Heult wie ein wundes Tier

Der böig kalte Wind.

Schon reißt er Blatt für Blatt

Dem namenlosen Abgrund zu,

Wo sich im endlos freien Fallen

Verlorensein und Ewigsein vereinen –

Zu deinem Weg und meinem.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Stille

 

Die Traurigkeit fällt

Aus den Schwingen der Nacht

Wie von einer Krähe in ihrem Flug

Eine Feder herabschwebt

Nimm meine dunklen Gedanken

Und schreib mit der Feder

ein Gedicht auf meine Haut

Ein einfaches Lied

Das die Stille beschwichtigt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Letzter Tanz

 

Ein lauer Sommerwind weht

durch der Bäume nächtlich Blättermeer,

das tausendfach anstimmt ein Flüstern –

doch sie, die diesen Stimmen noch so nah,

hört nicht sein Locken für die andre Welt.

Mit offnen Augen schwankt sie durch die Zeit

und lässt den Wind gewähren,

der zärtlich spielt mit ihrem Kleid.

Sie spürt den sanften Hauch nicht mehr,

der eine schwarze Strähne legt auf ihre Brust,

sie nicht erreicht in ihrem Träume Blütenmeer.

Durch eine Lücke tastend im Geäst

leckt fahles Mondlicht ihr Gesicht,

schwankt trunken von der Schönheit hin und her,

lässt sie im Kreise drehn im Dämmerlicht.

Sie sieht den späten Schein nicht mehr,

der liebevoll den Hals berührt,

um den die Schlinge fest gebunden,

damit ihr Liebster sie entführt.

 

 

 

 

 

 


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